Schadstoffe & SanierungAktualisiert: 1. Juni 20267 min

KMF und Mineralwolle richtig entsorgen

Alte Mineralwolle und KMF richtig erkennen und entsorgen. TRGS 521, Gesundheitsrisiken, Entsorgungsvorschriften und Kosten für Berlin im Überblick.

KMF und Mineralwolle richtig entsorgen

Künstliche Mineralfasern (KMF) sind in Millionen deutscher Gebäude als Dämmmaterial verbaut. Doch nicht jede Mineralwolle ist gleich: Ältere Produkte, die vor 1996 hergestellt wurden, gelten als gesundheitsgefährdend und müssen bei Sanierung oder Abbruch als gefährlicher Abfall entsorgt werden. Wir erklären, worauf Sie achten müssen.

Was sind KMF?

Unter dem Begriff Künstliche Mineralfasern (KMF) werden verschiedene faserförmige Dämmstoffe zusammengefasst:

Glaswolle: Hergestellt aus Altglas und Quarzsand, gelb bis grünlich
Steinwolle: Hergestellt aus Gestein (Basalt, Diabas), grau bis bräunlich
Schlackenwolle: Hergestellt aus Hochofenschlacke, selten verbaut

Diese Materialien werden seit den 1950er Jahren in großem Umfang für Wärmedämmung, Schalldämmung und Brandschutz eingesetzt – in Dächern, Fassaden, Zwischenwänden und Geschossdecken.

Alte vs. neue Mineralwolle – der entscheidende Unterschied

Der Stichtag ist das Jahr 1996. In diesem Jahr wurde die Gefahrstoffverordnung verschärft und die sogenannte Kanzerogenitäts-Einstufung alter KMF-Produkte durchgesetzt:

Alte KMF (vor Juni 1996):

Fasern sind biolöslich schlecht abbaubar (hoher Kanzerogenitätsindex KI < 40)
Gelten als krebsverdächtig (Kategorie 2 nach GefStoffV)
Müssen als **gefährlicher Abfall** (Abfallschlüssel 17 06 03*) entsorgt werden
Unterliegen den Vorschriften der TRGS 521

Neue KMF (ab Juni 1996):

Verbesserte Faserzusammensetzung mit hoher Biolöslichkeit (KI >= 40)
RAL-Gütezeichen garantiert gesundheitliche Unbedenklichkeit
Entsorgung als normaler Baustellenabfall möglich
Dennoch Staubschutzmaßnahmen beim Ausbau empfohlen

Wie erkennt man alte KMF?

Die Unterscheidung alter und neuer Mineralwolle ist ohne Laboranalyse schwierig. Folgende Anhaltspunkte helfen bei der Einschätzung:

Baujahr des Gebäudes: Bei Gebäuden, die vor 1996 errichtet oder gedämmt wurden, ist von alter KMF auszugehen
RAL-Gütezeichen: Neue Mineralwolle trägt das RAL-Gütezeichen. Fehlt dieses, handelt es sich wahrscheinlich um alte KMF
Zustand: Alte KMF ist häufig vergilbt, brüchig und staubt stark beim Anfassen
Verpackung: Originalverpackungen können Hinweise auf Hersteller und Produktionsjahr geben

Im Zweifel gilt: Mineralwolle ohne eindeutigen Nachweis der neuen Generation ist als alte KMF (gefährlicher Abfall) einzustufen und entsprechend zu behandeln.

Gesundheitsrisiken durch alte KMF

Alte Mineralwollfasern können beim Einatmen folgende Gesundheitsschäden verursachen:

Reizungen der Atemwege: Husten, Atemnot und Schleimhautreizungen
Hautreizungen: Juckreiz und Rötungen bei Hautkontakt
Krebsgefahr: Alte KMF-Fasern stehen im Verdacht, Lungenkrebs zu verursachen
Augenreizungen: Rötungen und Tränenfluss

Besonders gefährlich sind Arbeiten, bei denen Mineralwolle mechanisch beansprucht wird – etwa beim Herausreißen, Schneiden oder Verdichten. Dabei werden große Mengen lungengängiger Fasern freigesetzt.

Fachgerechte Entfernung nach TRGS 521

Die Technischen Regeln für Gefahrstoffe (TRGS 521) regeln den Umgang mit alter Mineralwolle:

1.**Gefährdungsbeurteilung:** Vor Beginn der Arbeiten ist eine Gefährdungsbeurteilung nach GefStoffV durchzuführen
2.**Persönliche Schutzausrüstung:** Atemschutz (mindestens FFP2), Schutzanzug (Typ 5/6), Schutzbrille und Handschuhe
3.**Technische Schutzmaßnahmen:** Staubarmes Arbeiten, Absaugung, ggf. Befeuchtung des Materials
4.**Verpackung:** Alte KMF ist in **reißfeste, staubdichte Säcke** (sogenannte KMF-Säcke oder Big Bags) zu verpacken und luftdicht zu verschließen
5.**Kennzeichnung:** Jeder Sack ist mit dem Hinweis „Enthält künstliche Mineralfasern" zu kennzeichnen
6.**Transport:** Geschlossener Transport, keine lose Verladung

Entsorgung in Berlin

Alte KMF muss als gefährlicher Abfall auf dafür zugelassenen Deponien entsorgt werden. In Berlin und Brandenburg stehen mehrere Annahmestellen zur Verfügung. Die Entsorgung erfordert:

Entsorgungsnachweis: Begleitschein nach Nachweisverordnung
Zugelassener Entsorger: Transport nur durch zertifizierte Entsorgungsunternehmen
Deponieklasse: Alte KMF wird in der Regel auf Deponien der Klasse I oder II entsorgt

Kosten für KMF-Entsorgung

Demontage alter Mineralwolle: 8 – 20 €/m²
KMF-Säcke (Big Bags): 10 – 25 € pro Stück
Entsorgungskosten alte KMF: 100 – 200 €/t (als gefährlicher Abfall)
Entsorgungskosten neue Mineralwolle: 40 – 80 €/t (als Baustellenabfall)
Container (10 m³): 400 – 800 € (inkl. Entsorgung)

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