Schadstoffe im Altbau: Der komplette Überblick
Wer einen Altbau sanieren, umbauen oder abreißen möchte, muss vorab wissen, welche Schadstoffe im Gebäude lauern können. Je nach Baujahr und Gebäudetyp kommen unterschiedliche gefährliche Materialien in Betracht. Eine professionelle Schadstoffuntersuchung vor Baubeginn ist nicht nur gesetzlich vorgeschrieben, sondern schützt auch die Gesundheit aller Beteiligten.
Warum ist eine Schadstoffuntersuchung Pflicht?
Die Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) und die Technischen Regeln für Gefahrstoffe (TRGS) verpflichten Bauherren und Auftragnehmer, vor Abbruch- und Sanierungsarbeiten eine Gefährdungsbeurteilung durchzuführen. Bei Gebäuden, die vor 1995 errichtet wurden, ist eine Schadstoffuntersuchung durch einen Sachverständigen dringend empfohlen – bei Verdacht auf Asbest sogar zwingend erforderlich.
Die wichtigsten Schadstoffe im Überblick
#### Asbest
Einsatzzeitraum: 1930er bis 1993 (Verbot in Deutschland) Vorkommen: Dachplatten (Eternit), Fassadenverkleidungen, Fußbodenbeläge (Floor-Flex), Rohrleitungen, Brandschutzverkleidungen, Putze, Fliesenkleber, Nachtspeicheröfen Gefahr: Krebserregend (Lungenkrebs, Mesotheliom, Asbestose) beim Einatmen freigesetzter Fasern Sanierung: Nach TRGS 519, Meldung an LAGetSi erforderlich #### Polychlorierte Biphenyle (PCB)
Einsatzzeitraum: 1950er bis 1989 (Verbot) Vorkommen: Dauerelastische Fugenmassen (besonders Betonfertigteilbauten der 1960er/70er), Farben, Deckenplatten, Kondensatoren in Leuchtstofflampen Gefahr: Krebserregend, schädigt Immunsystem, Leber und Nervensystem, gasen aus Fugenmassen in Raumluft aus Sanierung: Nach TRGS 521, Interventionswert 300 ng/m³ Raumluft #### Künstliche Mineralfasern (KMF)
Einsatzzeitraum: Ab 1950er Jahre, kritisch vor Juni 1996 Vorkommen: Wärmedämmung in Dächern, Fassaden, Zwischenwänden und Geschossdecken, Rohrisolierungen Gefahr: Alte KMF (vor 1996) krebsverdächtig, Reizung von Atemwegen, Haut und Augen Sanierung: Nach TRGS 521, Entsorgung als gefährlicher Abfall in KMF-Säcken #### Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK)
Einsatzzeitraum: Bis in die 1970er Jahre verbreitet Vorkommen: Teerhaltige Klebstoffe (Parkettkleber, Schwarzkleber), Teerpappe und Dachbahnen, Gussasphalt, Fugenvergussmassen Gefahr: Krebserregend (insbesondere Benzo[a]pyren), kommen über Hautkontakt und Einatmen in den Körper Sanierung: Nach TRGS 551, Entsorgung als Sondermüll #### Blei
Einsatzzeitraum: Bis in die 1970er Jahre Vorkommen: Wasserleitungen (Bleirohre, besonders in Berliner Gründerzeitbauten), Bleifarben und Bleimennige als Rostschutzanstrich, Bleiverglasungen Gefahr: Giftig, schädigt Nervensystem, Nieren und Blutbildung, besonders gefährlich für Kinder Sanierung: Austausch der Bleirohre, Entfernung von Bleifarben unter Staubschutz #### Holzschutzmittel (PCP, Lindan, DDT)
Einsatzzeitraum: 1960er bis 1989 (PCP-Verbot) Vorkommen: Dachstühle, Holzbalkendecken, Fachwerk, Holzverkleidungen – insbesondere in Gebäuden mit sichtbaren Holzkonstruktionen Gefahr: PCP ist krebserregend und lebertoxisch, Lindan schädigt das Nervensystem, gasen langfristig in die Raumluft aus Sanierung: Entfernung behandelter Hölzer oder Versiegelung, Raumluftmessung empfohlen #### Formaldehyd
Einsatzzeitraum: Ab 1960er Jahre, besonders in Fertighäusern der 1960er–1980er Vorkommen: Spanplatten, Sperrholz, Ortschaumprodukte (Harnstoff-Formaldehyd-Schaum), Bodenbelagsklebstoffe Gefahr: Reizt Augen und Atemwege, bei hoher Konzentration krebserregend, charakteristischer stechender Geruch Sanierung: Austausch belasteter Platten, Versiegelung der Oberflächen, Verbesserung der Belüftung Schadstoffe nach Baujahr
#### Gründerzeit und Vorkriegsbauten (vor 1945)
Bleirohre in der Trinkwasserinstallation (in Berlin sehr verbreitet) Bleifarben als Rostschutz und Deckanstrich Teerhaltige Materialien in Kellerabdichtungen und Dachflächen (PAK) Asbest in späteren Sanierungen (ab 1930er) Holzschutzmittel in Dachstühlen (oft bei Nachkriegssanierungen aufgetragen) #### Wirtschaftswunder und Nachkriegsbauten (1950er–1960er)
Asbest in nahezu allen Varianten (Spritzasbest, Eternit, Bodenbeläge) PCB in Fugenmassen bei Plattenbauten und Betonfertigteilbauten KMF (alte Mineralwolle) als Dämmung PAK in Parkettkleber und Dachbahnen Holzschutzmittel (PCP, Lindan) in Dachstühlen #### Bauboom der 1970er und 1980er
Asbest weiterhin verbreitet (bis 1993) PCB in Fugenmassen und Farben (bis 1989) KMF als Standarddämmstoff (bis 1996 alter Typ) Formaldehyd in Spanplatten und Fertighäusern PAK in Schwarzklebern für Parkett (bis ca. 1970er) Was sollte vor einer Sanierung geprüft werden?
Empfohlene Untersuchungen je nach Gebäude:
1.**Immer untersuchen:** Asbest (bei Gebäuden vor 1993), PCB (bei Gebäuden mit Fugenmassen der 1960er–80er), KMF (bei Dämmstoffen vor 1996)
2.**Bei Gründerzeitbauten zusätzlich:** Bleirohre und Bleifarben, teerhaltige Abdichtungen
3.**Bei Gebäuden mit Holzkonstruktionen:** Holzschutzmittel (PCP, Lindan)
4.**Bei Fertighäusern der 1960er–80er:** Formaldehyd in Spanplatten
5.**Grundsätzlich empfohlen:** Raumluftmessung auf flüchtige Schadstoffe
Kosten einer Schadstoffuntersuchung
Einzelproben (Asbest, KMF, PAK): 80 – 250 € pro Probe Raumluftmessung (PCB, Formaldehyd): 500 – 1.500 € pro Raum Umfassendes Schadstoffgutachten: 2.000 – 8.000 € (je nach Gebäudegröße) Holzschutzmittelanalyse: 150 – 400 € pro Probe Lula Bau GmbH – Ihr Spezialist für Schadstoffe im Altbau
Als zertifiziertes Fachunternehmen für Schadstoffsanierung kennen wir die typischen Belastungen in Berliner Altbauten. Wir koordinieren die Schadstoffuntersuchung, erstellen ein Sanierungskonzept und führen die fachgerechte Entfernung aller Schadstoffe durch – von Asbest über PCB bis hin zu Holzschutzmitteln. Bei der Entkernung oder dem Abbruch Ihres Altbaus sind Sie bei uns in den besten Händen. Kontaktieren Sie uns für eine kostenlose Erstberatung.